4.5/52 Bewertungen

Verschiedene Werte nach Blutdruckmessungen – aber warum?

Wenn Sie innerhalb kurzer Zeit dreimal Blutdruck messen, werden Sie vielleicht drei unterschiedliche Werte erhalten haben. Sie fragen sich wahrscheinlich, ob Sie einen Fehler gemacht haben, oder ob das Blutdruckmessgeräte eventuell defekt ist.

Wir erklären, wie es zu den unterschiedlichen Werten kommt.

Kurzgefasst: Blutdruckmessung

Die gute Nachricht zuerst: Es ist in Ordnung, dass Sie drei verschiedene Werte ermittelt haben, es muss im Grunde sogar so sein. Aber warum?

Wenn sich das Herz zusammenzieht, wird Blut in den Kreislauf gedrückt. Der höchste Wert, der beim Zusammenziehen des Herzens entsteht, ist der systolische Blutdruckwert.

Danach erschlafft das Herz, es macht gewissermaßen eine Pause. Das ist die Zeit, wenn nur noch ein Grunddruck vorhanden ist. Dieser Wert ist der diastolische Blutdruckwert.

Bei der Messung mit einem Blutdruckmessgerät geschieht folgendes:

Eine Manschette wird über den Oberarm gelegt und aufgepumpt, bis die Oberarmarterie abgedrückt ist. Jetzt lassen wir die Luft aus der Manschette langsam ab. An einem bestimmten Moment wird die Oberarmarterie die Manschette hochdrücken. Jetzt beginnt das Blut beginnt wieder zu fließen. Das ist der Moment des systolischen Blutdruckwertes. Der erste Stoß fließenden Blutes verursacht ein wahrnehmbares Geräusch. Nun verringern wir den Druck in der Manschette weiter, bis die Geräusche verstummen.  Nun haben wir eine „eingeschlafene“ Strömung – das ist der Grunddruck, also der diastolische Blutdruckwert.

Das beschriebene Verfahren ist ein indirektes nichtinvasives Messverfahren und somit unblutig.

Kommen wir nun zu den Gründen unterschiedlicher Messwerte bei Blutdruckmessungen.

Puls bei der Messung

Wie oben beschrieben, wird erst der systolische Blutdruckwert aus einem Puls ermittelt und der diastolische Blutdruckwert ca. 30 Sekunden später aus einem anderen Puls.

Von Pulsschlag zu Pulsschlag gibt es Veränderungen, wenn auch keine großen. Trotzdem wirkt sich das dann auf das Messergebnis aus. Das wird nicht viel sein, aber ein paar mmHg können es sein.

Luftablassrate und Blutdruckmessgerät

Nehmen wir einmal an, Ihr Herz schlägt 60 mal in einer Minute. Sie haben also einen Puls von 60. Weiterhin nehmen wir an, Ihr Blutdruck beträgt zum Zeitpunkt einer Messung 130 zu 80 (d.h. der systolisch Blutdruckwert liegt bei 130 mmHg und der diastolische Blutdruckwert liegt bei 80 mmHg).

Bei einem Blutdruckmessgerät wird aus der Manschette die Luft konstant abgelassen. Dies erfolgt etwa mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 6 mmHg pro Sekunde.

Nach dem Beginn des Ablassens der Luft aus der Manschette liegt irgendwann ein Druck von 130 mmHg an. Die Pumpleistung des Herzens mit 130 mmHg sollte die Manschette bei diesem Wert eigentlich „aufdrücken“. Aber zufälligerweise ist Ihr Herz in diesem Moment gerade entspannt d.h. es liegt zu diesem Zeitpunkt kein Puls vor. Der Puls kam beispielsweise als der Manschettendruck 131 mmHg betrug. Also lässt das Blutdruckmessgerät weiter Luft aus der Manschette (mit ca. 5 bis 6 mmHg pro Sekunde) ab. Der Druck in der Manschette liegt nach einer Sekunde bei 125 mmHg. Jetzt kommt der nächste Puls und das Blutdruckmessgerät erkennt die 125 mmHg als systolischen Blutdruckwert.

Obwohl im Körper ein Blutdruck von 130 mmHg zum Zeitpunkt der Messung herrschte, zeigt der Blutdruckmesser die 125 mmHg als Messergebnis an.

Wir haben also einen maximalen Messfehler in der Größenordnung der Luftablassrate pro Sekunde. Dieser Messfehler ist durch das invasive Messverfahren bedingt.

Fehlertoleranz

Jedes Messgerät, sei es eine Waage, ein Thermometer oder ein Zollstock, besitzt eine Fehlertoleranz. Dies ist normal und fällt im Alltag nicht weiter ins Gewicht. Auch für Blutdruckmessgeräte gibt es eine zugelassene Messfehlergröße. Die Abweichung, den die Druckkennlinie des Gerätes haben kann, beträgt +/- 3 mmHg. In der Gebrauchsanweisung Ihres Blutdruckmessers sind die Messfehlergröße beschrieben.

Zusammenfassung

Die drei genannten Gründe für die Messwertschwankungen sind „technischer“ Art. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einer Summierung aller Fehler. Damit kann die Abweichung z.B. beim systolischen Blutdruckwert zum Realwert im Körper durchaus 10 mmHg betragen.

Neben den technischen Aspekten wirken auch biologische Faktoren auf die Präzision der Blutdruckmessung. Typische Fehler, die wir immer wieder beobachten sind z.B.: Sprechen, sich bewegen, sofortiges Messen nach dem Essen, Rauchen, Sport treiben, keine Pause nach einer Messwiederholung, Stress, und, und, und …

Hinweise, wie Sie eine möglichste genaue Messung erhalten, stehen in der Gebrauchsanweisung Ihres Gerätes.

Lesen Sie daher die Gebrauchsanweisung für Ihr Blutdruckmessgerät genau durch. 

Befolgen Sie die Gebrauchsanweisung!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Artikel  bewerten:

4.5/52 Bewertungen
Menü schließen